Dr. Regina Fritz

Assistentin

Ordinariat Richers

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Seit 2016 Assistentin für Neueste und Osteuropäische Geschichte an der Professur von Prof. Dr. Julia Richers. 
Seit 2005 externe Lektorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.
2012 - 2016 wissenschaftliche Bearbeiterin des Bandes 15: "Ungarn 1938-1945" im Rahmen des Editionsprojektes „Judenverfolgung 1933‐1945“ (Institut für Zeitgeschichte München-Berlin).
2010 - 2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Neugestaltung der Ausstellung im Mauthausen Memorial
2010 Promotion mit der Doktorarbeit „Geschichtspolitik in Ungarn. Holocausterinnerung und Opferdiskurse seit 1945“.
2008 - 2011 Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Mauthausen Survivors Research Projekt.
2005 - 2008 Heinrich‐Böll‐Stipendiatin und Mitglied des Graduiertenkollegs „Diktaturüberwindung und Zivilgesellschaft in Europa“ (Heidelberg/Wien).
1998 - 2004 Studium der Geschichte, Ungarisch, Französisch und Zeitgeschichte in Wien und Berlin.
  • Ungarische und österreichische Zeitgeschichte
  • Geschichte des Nationalsozialismus, Holocaust Studies
  • Jüdische Geschichte
  • Geschichtspolitik und Erinnerungskulturen
  • Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft, Oral History
  • Musealisierung

Nostalgie und Wertewandel in den Zwischenkriegsgesellschaften Österreichs und Ungarns

Habilitationsprojekt (laufend)

Die Jahre 1918 bis 1920 läuteten für viele Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie den Beginn eines neuen Zeitalters ein. Das Ende eines technologisierten Weltkrieges, die Auflösung der Habsburgermonarchie und die Einführung neuer Grenzverläufe gingen mit einem gesellschaftlichen und politischen Wandel einher, der Mitteleuropa nachhaltig prägen sollte. 
Während Rumänen, Kroaten, Serben oder Tschechen ihre (frisch erlangte) nationale Unabhängigkeit feierten, blickten viele Menschen in den ehemaligen Machtzentren der Österreichisch-Ungarischen Monarchie eher sorgenvoll in die Zukunft. Schließlich hatten die empfindlich geschrumpften Großmächte Österreich und Ungarn nicht nur ihr politisches Gewicht eingebüßt, sondern mit den abgetrennten Territorien auch Millionen von Arbeitskräften und wichtige Produktionsstätten verloren. 
Zu den Sinnbildern des Untergangs avancierten vor allem die Friedensverträge von Saint-Germain und Trianon. Diese beiden Verträge und vor allem deren politische Instrumentalisierung trugen massiv zur steigenden Popularität ideologischer Bewegungen wie des Faschismus oder des Antisemitismus in den beiden Ländern bei und begünstigten die Annäherung Österreichs und Ungarns an Deutschland. Gleichzeitig wurden sie zur Grundlage jahrzehntelanger zwischenstaatlicher Konflikte. 
Nach 1945 wurden die Friedensverträge in Ungarn bzw. Österreich geschichtspolitisch sehr unterschiedlich genutzt, wodurch sich ihre historische Einordnung grundlegend verschob: So wurde der Vertrag von Trianon im offiziellen ungarischen Diskurs als Kernelement einer kollektiv erlittenen Opfererfahrung gedeutet und als nationales „Trauma“ interpretiert. Österreich dagegen tradierte die Erinnerung an den Friedenvertrag von Saint Germain nach 1945 nicht weiter, so dass er in der öffentlichen Erinnerungskultur der Gegenwart nahezu keine Rolle spielt. Diese erinnerungskulturellen Umformungen der Verträge seit 1945 überdecken bis heute die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger den politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandel, welcher die Auflösung der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und die Friedensverträge nach sich zog, tatsächlich erlebt und wahrgenommen haben und wie diese Veränderungen auf bis dahin bestehende, traditionelle Werte und Mentalitäten wirkten. 
Dieser Aspekt ist Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens, welches die Nachwirkungen der zwei ausgewählten Pariser Vorortverträge weniger aus einer ereignisgeschichtlichen denn aus einer mentalitäts-, kultur-und sozialgeschichtlichen Perspektive analysiert. Ziel der Studie ist es, mit dem Prisma der Verträge von Saint-Germain und Trianon eine Sozial- und – daran anknüpfend – eine Emotionsgeschichte der Zwischenkriegszeit in Österreich und Ungarn zu erarbeiten. Inwiefern gestalteten sich Lebensalltag und Lebensumfeld der Bürgerinnen und Bürger der neu entstandenen Staaten Österreich und Ungarn neu? Welchen Einfluss hatte der politische und gesellschaftliche Wandel auf einzelne Gesellschaftsschichten, auf Generationen und Geschlechter? Wer war Verlierer, wer Profiteur der Neuordnungen? Entsprach das im offiziellen ungarischen Diskurs tradierte Narrativ vom „Trianon-Trauma“ dem damaligen Empfinden der Menschen? Wie erlebte die österreichische Bevölkerung abseits der politischen Parolen den Bedeutungsverlust ihres Staates? Und schließlich, welche Antworten fanden die Bürgerinnen und Bürger Ungarns und Österreichs auf die zahlreichen Veränderungen ihrer Lebensumstände? 
 

 „Vergessene Kinder. Die Geschichte der Kinder afro-amerikanischer GIs und österreichischer Frauen in der Besatzungszeit“, Universität Salzburg (2013-2014) 

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Mauthausen Survivors Research Projekt, Universität Wien/Ludwig Boltzmann Institut für Historische Sozialwissenschaft (2008-2011)

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Publikationen (Auswahl)

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 15: Ungarn, Bearbeitet von Regina Fritz, Oldenbourg, München 2020. (in Bearbeitung)

Julia Richers/Regina Fritz, Der Vorwurf des „Judeo-Bolschewismus“ und die Folgen der Räterepublik für die jüdische Gemeinschaft in Ungarn, in: Christian Koller/Matthias Marschik (Hrsg.), Die ungarische Räterepublik 1919. Innenansichten, Außenperspektiven, Folgewirkungen, Wien 2018, S. 155-166.

Regina Fritz, Eine frühe Dokumentation des Holocaust in Ungarn. Die »Untersuchungskommission zur Erforschung und Bekanntmachung der von den Nationalsozialisten und Pfeilkreuzlern verübten Verbrechen« (1945), in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 14 (2017), H. 2, URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2017/id=5496, Druckausgabe: S. 352-368.

Regina Fritz, Die Anfänge der Oral History in Österreich. Das Ottenschlag-Projekt (1974) zum Kriegsende im Waldviertel, in: Bertrand Perz, Ina Markova (Hrsg.), 50 Jahre Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien 1966–2016, Wien 2017, S. 284-298.

Regina Fritz/Grzegorz Rossolinski-Liebe/Jana Starek (Hrsg.), Alma mater antisemitica. Akademisches Milieu, Juden und Antisemitismus an den Universitäten Europas zwischen 1918 und 1939, new academic press, Wien 2016.

Regina Fritz/Béla Rásky/Éva Kovács (Hrsg.), Als der Holocaust noch keinen Namen hatte. Zur frühen Aufarbeitung des NS-Massenmords an Jüdinnen und Juden, new academic press, Wien 2016.

Regina Fritz, Persönliche Holocaust-Erinnerungen auf Facebook – (Private) Gegenerzählungen in Ungarn im Kontext des Holocaust-Gedenkjahres, in: Zeitgeschichte 43 (2016) 4, S. 233-249.

Regina Fritz, A gettók belsö élete, in: Randolph L. Braham (Hrsg.), Tanulmányok a holokausztról, Budapest 2016.

Regina Fritz, Die Pariser Friedensverhandlungen 1946 mit Ungarn. Die Konfrontation mit der Ermordung der ungarischen Juden im außenpolitischen Kontext, in: Regina Fritz/Béla Rásky/Éva Kovács (Hrsg.), Als der Holocaust noch keinen Namen hatte. Zur frühen Aufarbeitung des NS-Massenmords an Jüdinnen und Juden, Wien 2016, Seite 437-454.

Regina Fritz, Daily Life and Survival in Mauthausen in the final stage of the war:  The Hungarian Jews, in:  Dapim - Studies on the Holocaust 29 (2015) 3, S. 222-239, DOI: 10.1080/23256249.2015.1090782

Regina Fritz, Inside the Ghetto: Everyday Life in Hungarian Ghettos, in: Hungarian Historical Review 4 (2015) 3, S. 606-639.

Regina Fritz, „Wenn dieser Krieg vorbei ist, warten unermessliche Aufgaben“. Heimkehr und Rückholung der ungarischen jüdischen Deportierten, in: Imke Hansen/Enrico Heitzer/Katarzyna Nowak (Hrsg.), Neue Perspektiven auf die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Berlin 2014, S. 106-128.

Regina Fritz, Nach Krieg und Judenmord. Ungarns Geschichtspolitik seit 1944, Wallstein, Göttingen 2012 (= Diktaturen und ihre Überwindung im 20. und 21. Jahrhundert 7).

Heinz Berger/Melanie Dejnega/Regina Fritz/Alexander Prenninger (Hrsg.), Politische Gewalt und Machtausübung im 20. Jahrhundert. Zeitgeschichte, Zeitgeschehen und Kontroversen. Festschrift für Gerhard Botz, Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2011.

Regina Fritz/Carola Sachse/Edgar Wolfrum (Hrsg.), Nationen und ihre Selbstbilder. Postdiktatorische Gesellschaften in Europa, Wallstein, Göttingen 2008 (= Diktaturen und ihre Überwindung im 20. und 21. Jahrhundert 1).

2013 The J. and O. Winter Fund, City University of New York
2010 Irma Rosenberg-Förderpreis für die Erforschung der Geschichte des Nationalsozialismus (für das Dissertationsprojekt)
2008 - 2010 Mentee im Mentoring-Programm muv4 der Universität Wien, Referat Frauenförderung und Gleichstellung
2008 Theodor Körner Preis für das Dissertationsprojekt
2005 - 2008 Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
2003 Erasmus-Stipendium, Humboldt Universität zu Berlin
  • Festveranstaltung für Carola Sachse und Vortrag von Paul Weindling „Der Handlungsspielraum der Opfer: Praktiken des Widerstands gegen die Menschenversuche im Nationalsozialismus“, Wien, 1.7.2016 (inhaltliche Co-Konzeption und -Organisation)
  • 2. Simon Wiesenthal Conference - Als der Holocaust noch keinen Namen hatte. Zur frühen Aufarbeitung des NS-Massenmords an Jüdinnen und Juden, Wien, 29. November-1. Dezember 2012 (Idee und inhaltliche Co-Konzeption)
  • Alma mater antisemitica. Akademisches Milieu, Juden und Antisemitismus an den Universitäten Europas zwischen 1918 und 1939, Akademie der Bildenden Künste Wien, 15.-16. Juni 2012 (inhaltliche Co-Konzeption)
  • 1. Junges Forschungsforum Mauthausen, KZ-Gedenkstätte Mauthausen, 7. Juni 2010 (Idee und inhaltliche Co-Konzeption)
  • 8. Österreichischer Zeitgeschichtetag, Wien, 25.-28. Mai 2010 (Mitglied im Organisationskomitee des Instituts für Zeitgeschichte)
  • „Life and Survival in Concentration Camp Complex Mauthausen“, 29. Oktober – 1. November 2009, Internationaler Workshop des Mauthausen Survivors Research Project (Inhaltliche Co-Konzeption und –Organisation)
  • „Routes to Mauthausen“, 27.-29. November 2008, Internationale Konferenz des Mauthausen Survivors Research Project Wien (Inhaltliche Co-Konzeption und –Organisation)
  • „(Re-)Formulierung nationaler Selbstbilder in postdiktatorischen Gesellschaften in Europa“, 24.-26. Mai 2006, Internationales DoktorandInnenworkshop des Graduiertenkollegs Diktaturüberwindung und Zivilgesellschaft in Europa, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien (inhaltliche Co-Konzeption und –Organisation)