Dozentur für die Geschichte Osteuropas

June Kharkiv Bahnhof Wandgemälde
Wandgemälde im grossen Wartesaal des Bahnhofs von Kharkiv. Abgebildet ist die idealisierte Stadt mit dem berühmten Denkmal für Taras Shevchenko und modernen Gebäuden im Hintergrund. Der Künstler ist unbekannt, ebenso das Entstehungsjahr. Das Foto wurde 2015 gemacht.

Die Dozentur für die Geschichte Osteuropas widmet sich der vielseitigen Vergangenheit und Gegenwart des östlichen Teils Europas mit einem Schwerpunkt auf Russland, der Ukraine sowie dem Raum der ehemaligen Sowjetunion. Einen Fokus bilden die Frauen- und Geschlechtergeschichte, die Erforschung der Erinnerungskultur im Zusammenhang mit der sowjetischen Vergangenheit. Ein besonderes Interesse gilt der Beleuchtung des Forschungsgebiets aus der Perspektive der historischen Anthropologie.

Die Dozentur pflegt eine enge Zusammenarbeit mit dem Ordinariat für Neueste Allgemeine und Osteuropäische Geschichte und dem interdisziplinären Studiengang Osteuropa-Studien an den Universitäten Bern und Fribourg.

Aktuell

Paper of Carmen Scheide

Kyiv main street Khreshchatik

Mental Mapping of Ukraine in the Soviet Union

Ukraine was regarded during Soviet times as little Russia and highly gendered, showing typical Ukrainian lifestyle by female allegories. Both perceptions had a tradition since the Czarist Empire. New was a broad description of the Soviet modern, showing technical achievements. Different cultural heritages of Ukraine and thus resulting conflicts were not mentioned. 

Download Paper (PDF, 1.0 MB)

Podcast des Historischen Instituts

Podcast 8

«Geschichte» als Waffe. Die Rolle von Geschichtsbildern im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine

Wie der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zeigt, besitzt die Geschichtswissenschaft kein Monopol auf Geschichte und ihre Deutung. Stattdessen wurde und wird «Geschichte» von Politiker*innen auch als Waffe in militärischen Konflikten eingesetzt. Mithilfe von historischen Bezügen legitimierte Wladimir Putin den russischen Überfall und die ukrainische Regierung versucht ihrerseits mithilfe von Verweisen auf die Vergangenheit, den Widerstand gegen die russische Armee zu mobilisieren. Welche Funktion nehmen Geschichtsbezüge in der russischen Machtpolitik ein? Wie wird Vergangenheit genutzt, um im Informationskrieg Meinungen zu mobilisieren und warum haben Geschichtsbilder möglicherweise sogar einen Einfluss auf konkrete Kriegsziele?

Philipp Horn spricht mit Carmen Scheide über die Rolle von Geschichtsbildern im aktuellen Konflikt.

Podcast (MP3, 10.9 MB)

Dozierende

Assistierende

Doktorierende

Hilfsassistierende

Sekretariat

  • Geschichte Osteuropas mit Schwerpunkt Russland/ Sowjetunion/ Ukraine
  • Frauen- und Geschlechtergeschichte
  • Erinnerungskultur
  • Historische Anthropologie

Remembering the Past in the Conflicts of the Present: Civil Society and Contested Histories in the Post-Soviet Space (1991 – 2017) 

SNF Research Project 2018 – 2023 (University of Bern), www.memcope.com
Since the late 1980s several violent conflicts of different intensity, dynamics and duration have shattered the fringes of the former Soviet Union. Some of them have become “frozen” conflicts, and some are still in a violent stage. Various dimensions of the conflicts – diplomatic, military, geopolitical and societal – have been studied across several disciplines. The present research project focuses on three conflict cases – Georgia, the North Caucasus and Ukraine. Its goals are to explore the ways in which historical legacies, historical representations and memories have been connected to the present conflicts and peacebuilding efforts, and to investigate the role of civil society in relation to historical legacies, historical representations and memories in the conflicts and peacebuilding efforts.

Kriegserfahrungen und Gewaltverarbeitungen in der ukrainischen Provinz, 1941 bis heute als europäische Verflechtungsgeschichte

Mein derzeitiges Forschungsvorhaben knüpft an die Kriegsfolgen-, Diktatur- und Gewaltforschung an: ich erforsche auf der Grundlage von deutschen und ukrainischen Archivquellen den Besatzungsalltag in der Zentralukraine (Gebiet Poltava) während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wähle ich einen multiperspektivischen Zugang. Weiter frage ich danach, welche Folgen die Erfahrungen von Gewalt, Widerstand, Kollaboration oder Zwangsarbeit für die Lebensgeschichten nach dem Krieg hatten. Wie wurde das Kriegserlebnis als Gewalt- und als Kulturerfahrung verarbeitet? Krieg bedeutet ein hohes Mass an Mobilität, es kam zu ganz neuen Kulturkontakten und –erfahrungen. Wie wirken sich diese in den Nachkriegsjahren auf Wahrnehmungen des „Anderen“ oder „Fremden“ aus? Zudem gehe ich der Frage nach, wie ein Prozess der Versöhnung in Bezug auf die Zwangsarbeit seit den späten 1980er Jahren stattfinden konnte. Dafür untersuche ich lebensweltliche ukrainische und deutsche Beispiele von den daran Beteiligten und Erinnerungen von Zwangsarbeitern aus diesen Jahren.

Das Gebiet Poltawa lag am östlichen Rand des Ansiedlungsrayons und die Kleinstädte hatten zwischen 20 und 30 % jüdische Bewohner*innen. Sie wurden alle im Holocaust in Erschiessungsaktionen ermordet, ebenso wie „Zigeuner“, die in diesen Gegenden lebten. Daras ergibt sich die Frage, wie das jüdische Leben bis zur deutschen Besatzungsherrschaft verlief und wie nach der Befreiung im Herbst 1943 daran erinnert wurde.

Ein weiterer Aspekt, der sich aus dem Vorgenannten ergibt, ist die Forschung über Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft im Hegau während des Zweiten Weltkriegs und die „Kultur des Vergessens“ daran.