Dr. Matthias Ruoss

Advanced Postdoc.Mobility-Stipendiat des SNF

Abteilung für Schweizer Geschichte

E-Mail
matthias.ruoss@hist.unibe.ch
Postadresse
Universität Bern
Historisches Institut
Länggassstrasse 49
3012 Bern
ab August 2018 Advanced Postdoc.Mobility-Stipendiat an den Universitäten Wien, Konstanz und New York (Columbia)
2016 Abschluss Weiterbildungs-Studiengang CAS Hochschullehre, Universität Bern
Seit 2016 Lehrbeauftragter Ecole Supérieure Sociale Intercantonale de Lausanne (L’ESSIL)
Seit 2014 Oberassistent, Historisches Institut der Universität Bern (Abteilung Schweizer Geschichte)
2014 Promotion an der Universität Bern
Seit 2013 Lehrbeauftragter an der Berner Fachhochschule, Fachbereich Soziale Arbeit
2013 - 2014 Lehrbeauftragter an der Ecole Supérieure en Education Sociale, Lausanne
2012 - 2014 Wissenschaftlicher Assistent, Historisches Institut der Universität Bern (Abteilung Schweizer und Neueste Allgemeine Geschichte)
2011 - 2012 Visiting scholar am King’s College London, UK
2009 - 2011 Wissenschaftlicher Assistent, Historisches Institut der Universität Bern (Abteilung Schweizer und Neueste Allgemeine Geschichte)
2008 - 2012 Wissenschaftlicher Projektmitarbeiter, Nationalfondsprojekt:  Dogmengeschichte des schweizerischen Verwaltungsrechts (unter der Leitung von Prof. Dr. Benjamin Schindler, Universität St. Gallen, HSG)
2006 - 2007 Studium an der Humboldt Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin, Deutschland
2005 - 2006 Tutor, Historisches Institut der Universität Bern (Abteilung Schweizer und Neueste Allgemeine Geschichte)
2002 - 2008 Studium der Geschichte und Pädagogik an der Universität Bern mit Abschluss Lizentiat
  • Geschichte des Kapitalismus im 19. Jahrhundert
  • Alltags- und Sozialgeschichte der Konsumfinanzierung
     
  • Geschichte der Sozialpolitik und des Sozialstaates im 20. Jahrhundert
  • Historische Wohlfahrtsforschung
  • Wissensgeschichte des Sozialen

Buy now, pay later. Konsumfinanzierung im liberalen Kapitalismus (ca. 1850-1918)

Postdoc-Projekt, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF)

Das Leben auf Pump ist weit verbreitet. In der Schweiz zum Beispiel hielt 2013 jeder dritte Haushalt mindestens einen Kredit. Dazu zählten neben Leasingvereinbarungen, Kleinkrediten bei Banken und Darlehen von Bekannten auch Ratenzahlungsverträge. Doch seit wann werden Ratenkäufe eigentlich getätigt und in welchen historischen Milieus sind sie zustande gekommen?

Der in sogenannten Abzahlungsgeschäften abgewickelte Ratenkauf ist eine Form der Konsumfinanzierung, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgekommen ist. Der Ratenkauf basierte dabei auf einer vertragsrechtlichen Abmachung, welche die Eigentumsverhältnisse klärt und die periodischen Teilzahlungen regelte. Auf Raten gekauft haben mehrheitlich Angehörige der sozialen Unterschicht, die in Abzahlungsgeschäften sowohl ihren Bedarf an alltäglichen Gebrauchsgegenständen wie Kleider und Möbel deckten als auch sogenannte Luxusgüter wie Uhren oder Klaviere erwarben.

Das Forschungsprojekt interessiert sich sowohl für die Praxis des Ratenkaufs als auch dessen Regelung. Erstens frage ich nach dem Zustandekommen dieser sozialen Begegnung sowie den ökonomischen und konsumkulturellen Beweggründen der Annäherung. Als Fallbeispiele dienen die drei Städte München, Wien und Zürich. Zweitens untersuche ich, wie der Ratenkauf in den mitteleuropäischen Industriegesellschaften moralökonomisch verhandelt und gesetzlich reguliert wurde. Der Fokus liegt auf dem Deutschen Kaiserreich, Österreich-Ungarn und der Schweiz, in denen der Ratenkauf in sogenannten Abzahlungsgesetzen zuerst und als einzige vor dem Ersten Weltkrieg einer Regelung unterworfen wurde.  

Ausgehend von diesen Fragen möchte das Forschungsprojekt das historische Verständnis für Kredite in kapitalistischen Gesellschaften schärfen und am Beispiel des Ratenkaufs aufzeigen, dass Kreditbeziehungen nicht nur aufgrund spontaner Interaktionen von Einzelpersonen entstehen und funktionieren, sondern historisch äusserst voraussetzungsvoll sind.

  • Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG)
  • Schweizerische Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte (SGWSG)
  • 2014: Altersforschungspreis der Universität Bern (1. Platz) für die Dissertation „Fürsprecherin des Alters“

  • 2015: Pro Senectute-Preis (3. Platz) für die Dissertation „Fürsprecherin des Alters“