Yerba Mate treffen wir seit wenigen Jahren als trendiges Erfrischungsgetränk in Schweizer Supermärkten an. Das ursprünglich indigene Getränk aus Südamerika ist aber schon seit den 1930er Jahren ein beliebtes Heissgetränk im Libanon. Personen, die Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich nach Argentinien auswanderten, brachten bei ihrer Rückkehr in den Libanon Yerba Mate mit.
Das Dissertationsprojekt untersucht die Yerba Mate-Handels- und Konsumpraktiken zwischen Argentinien und dem Libanon während des Französischen Völkerbundsmandats (1920-1946) und der frühen Unabhängigkeitsphase (1946-1950er). Das Projekt verfolgt die Biografien der Yerba Mate Kaufleute und deren Handelsrouten von Argentinien in den Libanon. Dabei zeigen diese transatlantischen «Süd-Süd»-Verbindungen auf, dass die Libanes:innen selbst vielmehr den Handel während der Mandatszeit mitgestalteten, als dies lange angenommen wurde. Das Projekt untersucht somit anhand der Yerba Mate, wie die Diaspora die Wirtschaft und die Konsumkultur des Libanons möglicherweise entlang Konfessionen-, Klassen- oder Geschlechterlinien mitprägte.
Das Projekt hebt die Rolle von einzelnen Akteuren und deren Netzwerke für die Schaffung und Erschliessung von neuen Märkten hervor. Dabei zeigt es auch, dass die Globalisierung von Gütern eng mit Migrationsbewegungen verflochten sind. Zudem leistet das Projekt einen Beitrag zur noch wenig erforschten Wirtschaftsgeschichte des Libanons, die die Rolle der Diaspora und des (post-)kolonialen Kontextes miteinbezieht.