Das vorliegende Sinergia-Projekt an dem die Universitäten Zürich (Prof. Dr. Jakob Tanner, Leitung), Bern (PD Dr. Daniel Marc Segesser), Genf (Prof. Dr. Irène Hermann) und Luzern (Prof. Dr. Aram Mattioli) beteiligt sind, fokussiert auf die dynamische Veränderung der Erfahrungsräume und Erwartungshorizonte im Krieg und fragt nach den vielfältigen Austausch- und Interaktionsprozessen zwischen der Schweiz und den kriegführenden Ländern sowie nach den Handlungsspielräumen eines neutralen Kleinstaates im Krieg. Ausgehend von einer transnationalen Perspektive soll dies an Hand von drei, eng miteinander verbundenen Teilprojekten (mit insgesamt sechs Dissertationen) untersucht werden: (A) der Bedeutung der «enemy aliens», der Migration und Mobilisation von Menschen und Gütern im Krieg, (B) den Auswirkungen des Krieges auf die Entwicklung politischer Entscheidungsprozesse, demokratischer Institutionen und der (zunehmend eingeschränkten) politischen Partizipation sowie (C) dem Verhältnis von Brutalisierung, Militarisierung und humanitärer Diplomatie, die nicht zuletzt mit Blick auf die – immer wieder in Frage gestellte – Neutralität des Landes eine wichtige Rolle spielte.
Angestrebt wird damit ein grundlegender Beitrag zu einer transnational angelegten Geschichte des Ersten Weltkrieges. Damit wird es möglich, die historische Entwicklung der Schweiz mit ihrer offenen Volkswirtschaft und ihren vielfältigen Abhängigkeiten auf neue Weise zu verstehen. Der Fokus auf die Integration politischer, wirtschaftlicher, rechtlicher und sozialer Aspekte in den einzelnen Teilprojekten verbunden mit einer transnationalen Perspektive macht dieses Projekt auch in der internationalen Forschung einzigartig. Der Zeitpunkt für die Umsetzung dieses Projektes ist ausgesprochen günstig: 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Hundertsten Mal, was die internationale Einbettung und den – für die transnationale Perspektive wichtigen – Austausch mit anderen Forschungsprojekten stark erleichtern wird.