Grosse Vulkanausbrüche können erhebliche Auswirkungen auf das Klima haben, und diese klimatischen Störungen können wiederum weit entfernt vom Ort des Ausbruchs schwerwiegende Folgen für den Menschen haben. Um diese weitreichenden Zusammenhänge zwischen Ausbruch, Klima und Gesellschaft besser zu verstehen, müssen wir weiter in die Vergangenheit zurückblicken, da es in unserer jüngeren Vergangenheit nur eine begrenzte Anzahl grosser Ausbrüche gegeben hat.
In diesem interdisziplinären Projekt untersuchen wir die klimatischen und gesellschaftlichen Auswirkungen vergangener Vulkanausbrüche vom späten Mittelalter bis zur Moderne. Wir arbeiten eng mit anderen Forschungsgruppen am Oeschger Centre for Climate Change Research zusammen, insbesondere mit den Gruppen «Past volcanism and climate impact» und «Climatology».
Wir interessieren uns besonders für die indirekten klimatischen und gesellschaftlichen Auswirkungen, wie dynamische Reaktionen des Winterklimas, administrative Reaktionen und Bewältigungsstrategien der Bevölkerung. Darüber hinaus untersuchen wir, inwieweit die festgestellten gesellschaftlichen Auswirkungen auf vulkanisch bedingte Klimastörungen zurückzuführen sind und inwieweit bestehende sozio-ökologische Bedingungen und daraus neu entstehende menschliche Handlungen diese Ereignisse erklären. Zu diesem Zweck führen wir systematische Längsschnittstudien durch, die mehrere Vulkanausbrüche abdecken, und vergleichen die klimatischen und gesellschaftlichen Auswirkungen verschiedener Ausbrüche im Zeitverlauf. Das neuartige Forschungsmaterial für unser Projekt stammt aus schriftlichen historischen Quellen, während unsere Kooperationspartner die in den «Archiven der Natur» gespeicherten Daten bereitstellen, beispielsweise aus Baumringen, Eisschichten und Sedimentablagerungen.
Das Projekt läuft von 2022 bis 2027.