Dr. habil. Carmen Scheide

Dozentur für die Geschichte Osteuropas

Abteilung für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte

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E-Mail
carmen.scheide@hist.unibe.ch
Büro
B 005, Unitobler, Länggassstrasse 49
Postadresse
Universität Bern
Historisches Institut
Länggassstrasse 49
3012 Bern
Sprechstunde
Sprechstunde im Semester:
Dienstag, 13-15 Uhr oder n.V.

Die aktuellen Sprechstundentermine sind an der Bürotür ausgehängt. Es wird gebeten, sich dort einzutragen.
  Studium der Osteuropäischen, Neueren und Neuesten Geschichte und Slavistik in München, Moskau und Freiburg i. Br.
1999 Promotion mit einer Arbeit über Frauenpolitik und Arbeiterinnenalltag in der frühen Sowjetunion.
1995 - 2005 Wissenschaftliche Assistentin am Historischen Seminar der Universität Basel.
2009 Fellow am Kulturwissenschaftlichen Kolleg der Universität Konstanz.
2011 Habilitation über eine Arbeit zur Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion an der Universität Basel.
2012 - 2016 Geschäftsführerin des Center for Governance and Culture in Europe an der Universität St. Gallen, leitende Wissenschaftlerin in einem Forschungsprojekt zur Ukraine und Chefredakteurin der Zeitschrift Euxeinos: Governance and Culture in the Black Sea Region.
Seit August 2016 Dozentin für Osteuropäische Geschichte an der Universität Bern.
  Langjährige Lehrerfahrung an den Universitäten Basel, Konstanz und St. Gallen.
  • Geschichte Osteuropas mit Schwerpunkt Russland/ Sowjetunion/ Ukraine
  • Frauen- und Geschlechtergeschichte
  • Erinnerungskultur
  • Historische Anthropologie

Kriegserfahrungen und Gewaltverarbeitungen in der ukrainischen Provinz, 1941 bis heute als europäische Verflechtungsgeschichte

Mein derzeitiges Forschungsvorhaben knüpft an die Kriegsfolgen-, Diktatur- und Gewaltforschung an: ich erforsche auf der Grundlage von deutschen und ukrainischen Archivquellen den Besatzungsalltag in der Zentralukraine (Gebiet Poltava) während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wähle ich einen multiperspektivischen Zugang. Weiter frage ich danach, welche Folgen die Erfahrungen von Gewalt, Widerstand, Kollaboration oder Zwangsarbeit für die Lebensgeschichten nach dem Krieg hatten. Wie wurde das Kriegserlebnis als Gewalt- und als Kulturerfahrung verarbeitet? Krieg bedeutet ein hohes Mass an Mobilität, es kam zu ganz neuen Kulturkontakten und –erfahrungen. Wie wirken sich diese in den Nachkriegsjahren auf Wahrnehmungen des „Anderen“ oder „Fremden“ aus? Zudem gehe ich der Frage nach, wie ein Prozess der Versöhnung in Bezug auf die Zwangsarbeit seit den späten 1980er Jahren stattfinden konnte. Dafür untersuche ich lebensweltliche ukrainische und deutsche Beispiele von den daran Beteiligten und Erinnerungen von Zwangsarbeitern aus diesen Jahren.

Das Gebiet Poltawa lag am östlichen Rand des Ansiedlungsrayons und die Kleinstädte hatten zwischen 20 und 30 % jüdische Bewohner*innen. Sie wurden alle im Holocaust in Erschiessungsaktionen ermordet, ebenso wie „Zigeuner“, die in diesen Gegenden lebten. Daras ergibt sich die Frage, wie das jüdische Leben bis zur deutschen Besatzungsherrschaft verlief und wie nach der Befreiung im Herbst 1943 daran erinnert wurde.

Ein weiterer Aspekt, der sich aus dem Vorgenannten ergibt, ist die Forschung über Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft im Hegau während des Zweiten Weltkriegs und die „Kultur des Vergessens“ daran.