Prof. Dr. Kim Siebenhüner

SNF-Förderprofessorin

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Universität Bern
Historisches Institut
Unitobler
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Nach Absprache

Kim Siebenhüner studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Clermont-Ferrand, Freiburg (Breisgau) und Basel und war von 2001 – 2012 Assistentin am Lehrstuhl für Frühe Neuzeit im Historischen Seminar Basel. 2004 promovierte sie mit einer Arbeit an der Schnittstelle von Inquisitionsforschung und Geschichte der Ehe ("Bigamie und Inquisition in Italien 1600 - 1750", Schöningh 2006). Es folgte ein Postdoc an der Universität Oxford ("Konversion und Migration in der Frühen Neuzeit". 2004 – 2005). Zu ihren Forschungsinteressen gehören seither die Sozial-, Kultur- und Religionsgeschichte der europäischen Frühen Neuzeit. Ein zweiter Arbeitsschwerpunkt liegt im Bereich der Geschichte der materiellen Kultur und des Konsums mit ihren vielfältigen Verbindungen zur history of commodities, zur connected history und zur Globalgeschichte. In diesem Zusammenhang entstand zudem ein Interesse an der Geschichte Indiens und des Indischen Ozeans zwischen 1500 und 1800. Forschungen im Rahmen der Habilitationsschrift („Die Spur der Diamanten. Eine Sozial- und Kulturgeschichte der Juwelen in der Frühen Neuzeit, Basel 2013) führten sie an die Jawaharlal Nehru University in Neu Delhi (Oktober – November 2009) und ans Freiburg Institut of Advanced Studies (Januar – März 2012). Seit April 2013 ist sie als SNF-Förderprofessorin am Historischen Institut in Bern mit einem Projekt zu Textilien und materieller Kultur im 18. Jahrhundert tätig. Parallel zu diesen Forschungsprojekten hat sie 2013, zusammen mit Kaspar von Greyerz und Roberto Zaugg eine Edition des Tagebuchs des schwäbischen Ingenieurs, Sammlers und Architekten Joseph Furttenbach (1591 – 1667) herausgebracht. 

  • Sozial- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit
  • Geschichte der materiellen Kultur, history of commodities und Konsumgeschichte
  • Geschichte Indiens und des Indischen Ozeans in der Frühen Neuzeit, connected history, Globalgeschichte
  • Historische Konversionsforschung
  • Inquisitionsforschung, historische Kriminalitätsforschung

Textilien und materielle Kultur im Wandel: Konsum, kulturelle Innovation und globale Interaktion in der Frühen Neuzeit

Das Projekt beschäftigt sich mit bedruckten Baumwolltextilien (printed cottons), die wir zugleich als Untersuchungsgegenstand und als perspektivischen Zugriff auf die Geschichte der materiellen Kultur, des Konsums und des Handels in der Frühen Neuzeit verstehen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, daß die europäische Sachkultur zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert eine dynamische Welt ist, die sich durch Vervielfältigung, Verfeinerung und Erneuerung auszeichnet. Textilien nahmen in dieser Entwicklung aus drei Gründen einen besonderen Platz ein. Erstens waren sie in Form von Hausrat und Kleidung Träger steigender Konsumbedürfnisse und sich wandelnder Moden in Frühen Neuzeit. Zweitens machten sie einen der größten Posten der von Portugiesen, Holländern und Engländern nach Europa importierten Güter aus. Im besonderen indische Stoffe aus Baumwoll- und Seidengeweben, die sich durch hochwertige Qualität und eine für Europäer faszinierende Farb- und Mustergestaltung auszeichneten, stießen auf hohe Nachfrage. Drittens führte gerade diese Nachfrage dazu, daß bedruckte indische Baumwollstoffe zu regelrecht revolutionären Gütern auf europäischen Märkten wurden, die im 18. Jahrhundert den Aufstieg der europäischen Kattundruckindustrie bewirkten und damit letztlich die ökonomische Auseinanderentwicklung von Orient und Okzident im 19. Jahrhundert beflügelten – das, was Kenneth Pomeranz die „Great Divergence“ genannt hat. Den Europäern gelang es, die begehrten indischen Stoffe zu imitieren, zu adapieren und zu ersetzen und im Prozeß der Industrialisierung letztlich so massenhaft zu produzieren, daß sie damit weltweit Märkte eroberten, die zuvor von Indien beliefert worden waren. Das Forschungsprojekt verzahnt die Themenkomplexe des Wissenstransfers, der Distribution sowie des Ge- und Verbrauchs und will damit einen Beitrag zur Erforschung der Zusammenhänge von globalem Handel, lokalem Konsum und Innovation der materiellen Kultur in der Frühen Neuzeit leisten. Das Forschungsteam untersucht die Frage, inwiefern sich der Besitz von Dingen in der Frühen Neuzeit erweiterte und neue Güter angeeignet wurden, wie sich Konsum und Geschmack durch den Zustrom der neuen Stoffe veränderten und wer die Akteure dieser Transferprozesse waren. Das Ziel des Gesamtprojekts ist es zu erklären, wie sich die europäische Textilkultur durch den Fluß bedruckter Baumwollstoffe veränderte, auf welche Weisen Produzenten- und Konsumentenkulturen verflochten wurden und welche Innovationen diese transkulturelle Verflechtung in Europa freisetzten.

Projektmitarbeiter und -mitarbeiterinnen: Gabi Julia Schopf, M.A. (Doktorandin), Dr. John Jordan (Postdoc), Claudia Ravazzolo (Hilfsassistentin). 

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  • Mitglied von AcedmiaNet, http://www.academia-net.de/http://www.academia-net.de/.
  • Associate Editor des The Medieval History Journal seit 2008.
  • Mitglied des Arbeitskreises "Processi matrimoniali negli archivi ecclesiastici italiani" 2000 – 2004;
  • Mitglied des Arbeitskreises Historische Kriminalitätsforschung und des AK Frauen- und Geschlechtergeschichte seit 1999;  
  • Mitglied des AK vorindustrielle Sozial- und Wirtschaftsgeschichte seit 2004. 

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