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| Leitung | Prof. em. Dr. Rainer C. Schwinges |
| Mitarbeiter | Christian Hebeisen |
| Mitarbeiterin | Bela Marani |
| Mitarbeiter | Jürg Nydegger |
| Mitarbeiter | Daniel Roulier |
| Mitarbeiter | Thomas Schmid |
Das Forschungsprojekt "Innovationsräume" geht von der Tatsache aus, dass das von Menschen erworbene, angewendete und verbreitete Wissen raumwirksam und raumverändernd ist, das jeweils Sichtbare aber Geschichte hat. Es versucht dabei die Frage aus der Perspektive des handelnden Menschen zu beantworten, warum von Zeit zu Zeit Innovationsräume entstanden sind, "Vorsprungs- oder Führungslandschaften", in denen Wissen und Fertigkeiten verschiedenster Art offenbar rascher rezipiert und umgesetzt worden sind als in anderen Räumen Europas, insbesondere des alten, Römisch-deutschen Reiches des 14. bis 16. Jahrhunderts.
Um Innovationsräume als solche zu identifizieren, bedarf es einer ganzen Reihe von Indikatoren von den natürlichen Gegebenheiten bis zu ökonomischen, demographischen, technischen, politischen, sprachlichen oder künstlerischen. Besondere Bedeutung als Indikatoren - so unsere These - erhalten die folgenden vier: Universitätsbesuch und Verbreitung wissenschaftlich-universitärer Bildung, Entstehung einer modernen Zentral- und insbesondere Regionalverwaltung in Territorialherrschaften des Reiches, Entstehung und Ausbreitung von Gewerben auch jenseits der "Leitgewerbe" (Tuch- und Metallwarenherstellung) sowie die Entfaltung von Verkehr und Verbindungen durch Strassenbau. In diesen vier Bereichen wird am Berner Historischen Institut bereits seit längerem erfolgreich geforscht. Von daher ergeben sich beste Voraussetzungen, diese Bereiche jetzt unter der gemeinsamen Fragestellung nach den Zusammenhängen von Wissen und Raum im historischen Prozess zu bündeln und damit Synergien zu stiften. Die wichtigsten Untersuchungsschritte bestehen darin, in den Bereichen Bildung, Verwaltung und Gewerbe Personen zu identifizieren, deren Herkunfts- und Wirkungsorte zu bestimmen, um sodann raumbezogen bestimmte Bildungslandschaften, Verwaltungslandschaften und Gewerbelandschaften sichtbar zu machen. Wo diese sich überlagern, wo sich auch Verkehrs- und Strassenverbindungen günstig entwickelt haben, da vermuten wir Innovationsräume, d.h. sie liegen dort, wo Innovationsträger sind, dort, wo sich Personen der verschiedensten Wissensbereiche (Universitätswissen, Verwaltungs- und gewerbliches Wissen) räumlich konzentrieren und ihr Wissen in verschiedenben Berufsfeldern nachdrücklich umsetzen. Die Gesuchsteller glauben mit diesem Projekt, dass eine Reihe von Wissenschaftszweigen nicht zuletzt auch methodisch neu zusammenbinden muss, über die unmittelbaren Forschungsprobleme in den Bereichen Bildung, Verwaltung, Gewerbe und Verkehr hinaus, einen gravierenden und Neuland betretenden Beitrag zur allgemeinen Sozial- und Kulturgeschichte, insbesondere auch zur Historischen Geographie und Wissenschaftsgeschichte zu leisten.
Innovationsräume - Woher das Neue kommt in Geschichte und Gegenwart, hg. von Rainer C. Schwinges, Paul Messerli, Tamara Münger, Zürich 2001.