|

| Leitung | Prof. Dr. Stig Förster |
| SNF-Mitarbeiter | Dr. Markus Pöhlmann |
| SNF-Mitarbeiter | Dr. des. Andreas Rose |
| SNF-Mitarbeiter | Dr. Konstantin Tsimbaev |
| SNF-Mitarbeiter | lic. phil. Adrian E. Wettstein |
| SNF-Mitarbeiter | lic. phil. Marion Wullschleger |
In den letzten Jahren hat sich die internationale Forschung zum Ersten Weltkrieg und dessen Vorgeschichte intensiviert. Insbesondere die Diskussion über die Ursachen des Ersten Weltkrieges ist neu aufgegriffen worden. In diesem Zusammenhang hat auch die Frage nach Planungen, Mentalitäten und Zukunftserwartungen des Militärs an Relevanz gewonnen. Es erwies sich daher als sinnvoll, den fruchtbaren Ansatz der Auswertung von Militärzeitschriften nun im Hinblick auf die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges zu nutzen.
Das Forschungsprojekt hat sich einer Auswertung und Analyse der Militärzeitschriften aus fünf europäischen Ländern (Großbritannien, Frankreich, Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Russland) für den Zeitraum zwischen 1880 und 1914 gewidmet und wird die Ergebnisse in einer vergleichenden Studie in Buchform präsentieren. Im Zentrum der Untersuchung steht die von Zeitgenossen heftig diskutierte Frage nach Charakter, Dauer und Folgen eines zukünftigen Großkrieges. Vor allem in militärischen Kreisen war die Ansicht weit verbreitet, dass sich ein gesamteuropäischer Krieg auf die Dauer nicht vermeiden lassen würde. Dabei wurde dieser Krieg geradezu herbeigeredet, wenn nicht sogar herbeigesehnt. Doch stellte sich durchweg die Frage, welche Ausmaße ein solcher Krieg annehmen würde, auf welche Weise er geführt werden würde und wie man sich rechtzeitig darauf vorbereiten könne. Die Debatte über den Krieg der Zukunft wurde von der militärischen Führung rezipiert und teilweise auch getragen.
In den Militärzeitschriften, so das Ergebnis des Forschungsprojekts, findet sich davon allerdings recht wenig. Die Offiziere der mittleren Ebene vermieden vielmehr Grundsatzdebatten, die den Geist der Truppe gefährden konnten. Stattdessen wurden mit Akribie technische und taktische Fragen diskutiert. Dennoch war deutliches Unbehagen über die Aussichten in einem allgemeinen europäischen Krieg unverkennbar. Insbesondere in Russland und Frankreich wurden Bedenken laut. Doch wurde dieses Unbehagen eher verdrängt, als die anstehenden Probleme offensiv zu diskutieren. So gingen die Streitkräfte und ihre Offiziere mittleren Rangs geistig unvorbereitet in den bis dahin größten Krieg der Geschichte, obwohl man es hätte besser wissen können.